Beim Neubau fehlt der große gesellschaftliche Konsens

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In einem Interview der Berliner Morgenpost am 17. März, bin ich von Redakteurin Isabell Jürgens gefragt worden, wie wir die Forderung des Senats nach Wohnungsneubau umsetzen. Meine Antwort: „Mit voller Kraft!“ In diesem Kalenderjahr haben wir 630 Wohnungen im Bau, bis 2020 werden es rund 3500 sein. degewo ist das erste landeseigene Wohnungsbauunternehmen, das nach mehr als zehn Jahren im Mai dieses Jahres erstmals wieder Neubauwohnungen fertigstellen wird. 52 Wohnungen haben wir in Mariengrün errichtet und obwohl wir erst vor 14 Tagen mit der Vermietung begonnen haben, sind bereits 40 Prozent der Wohnungen reserviert. Zu bezahlbaren Mieten, die zwischen 7 und 9,50 Euro pro Quadratmeter und Monat liegen, im Schnitt beträgt die Nettokaltmiete 8,50 Euro.

Der Neubau zieht an, bei uns und bei den anderen landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Und trotzdem: Noch ziehen beim Thema Neubau nicht alle in der Stadt an einem Strang. Im Gespräch mit der Morgenpost bin ich dazu gefragt worden und habe geantwortet: „Es geht ja schon mal damit los, wie langsam die Politik in den vergangen zwei Jahren reagiert hat. Das Bauvorhaben Mariengrün hatten wir unabhängig von der Politik schon vor den Wahlen angeschoben, sonst wäre das doch bis heute noch nicht fertig. Bauen braucht einen langen Vorlauf, das sollte jeder wissen. Natürlich ist Stadtentwicklungssenator Michael Müller wirklich sehr aktiv, das will ich ausdrücklich betonen. Aber man darf doch das Thema Neubau nicht bei einem einzigen Senator abladen, sondern der Senat und auch das Abgeordnetenhaus sollten geschlossen dazu stehen.“

Ich kann beispielsweise keine deutlich sichtbare Unterstützung für Neubauvorhaben in der Innenstadt erkennen. Nehmen wir die Randbebauung am Tempelhofer Feld. Senator Müller wirbt bisher als einziger für den Wohnungsbau dort. Die anderen halten sich angesichts des laufenden Volksentscheids raus.

Ich vermisse beim Thema Neubau immer noch den großen gesellschaftlichen Konsens. Die Piraten haben in der Abgeordnetenhausdebatte am 6. März deutlich gemacht, dass Sie das Wohnen außerhalb des S-Bahnringes eigentlich für eine sozial ungerechte Strafe halten. Die Haltung gibt es aber auch bei anderen Parteien. Aber wenn es darum geht, die eigene Wählerschaft in den Szenekiezen vor der Zumutung neuer Nachbarn zu schützen, heißt es plötzlich wieder, baut doch am Stadtrand.

Das ganze Interview können Sie übrigens hier nachlesen:

http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article125878469/Degewo-fordert-mehr-neue-Wohnungen-in-der-Innenstadt.html