Städte werden immer wichtiger

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Wie leben wir in 36 Jahren? Wie werden sich die Städte, wie wird sich Berlin verändern? Mit diesen Fragenstellungen hat degewo zu einer Fachkonferenz in das Berliner Café Moskau eingeladen. Rund 300 Gäste und Referenten aus dem In- und Ausland waren gekommen, haben sich ausgetauscht und diskutiert zum Thema: „Stadt 2050. Ein Blick in die Zukunft“. Unser Ziel war es, Trends und Entwicklungen aufzuspüren, die unser Handeln in den kommenden Jahren möglicherweise beeinflussen.

Die Referenten, Gäste und Besucher waren sich einig, dass die Rolle der Städte in Zukunft wichtiger wird. Denn in den Städten konzentrieren sich die gesellschaftlichen Probleme, aber auch die Lösungen. Immer mehr Städte stehen, wie Berlin, vor großen Herausforderungen, was z. B. die Fragen bezahlbaren Wohnraums, die Entwicklung der Quartiere, der Infrastruktur und des öffentlichen Raums angeht.

Der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Gunther Adler blickte in seinem Statement in die Zukunft: „Städte werden im Jahr 2050 internationaler sein, grüner, sauberer, vernetzter und sozial gerechter. Der Zuzug wird anhalten. Schon heute wollen immer mehr Menschen in die Städte.“

Sein Berliner Amtskollege, der Staatssekretär für Bauen und Wohnen, Engelbert Lütke Daldrup, fragte in seinem Grußwort, wie die Städte und Metropolen die kommenden Herausforderungen angehen. Berlin sei dafür bereits gut aufgestellt: „Berlin profitiert ganz besonders vom Trend, das Städte wieder attraktiver werden. Die Hauptstadt muss sich aber weiterentwickeln, auf allen Ebenen. Die soziale Weiterentwicklung ist dabei ein ganz zentraler Punkt.“

Gefreut habe ich mich über die vielen internationalen Redner. Sie haben die Diskussionen besonders bereichert. Der amerikanische Politikwissenschaftler, der auch Berater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton war, Prof. Dr. Benjamin R. Barber sagte: „Städte übernehmen immer häufiger die Aufgaben des Staates. Sie sind oft direkter und konkreter mit den Problemen konfrontiert.“ Prof. Dr. Barber fordert ein „globales Parlament der Bürgermeister“.

Der britisch-kanadische Journalist und Autor, Doug Saunders meint: „Wenn Berlin von den besten Vorbildern aus Europa lernt und seine Stärken nutzt, kann das Berlin des Jahres 2050 ein Ort sein, der dem heutigen Berlin ähnelt – mit noch mehr Einwohnern, erschwinglicherem Wohnraum, mehr Dichte und mehr Komfort. Der spannendste Abschnitt im Wachstum Berlins steht erst bevor.“

Der Städteforscher Charles Landry, Gründer des Think Tanks Comedia in Großbritannien, wünscht sich mehr bürgerschaftliches Engagement: „Die Städte der Zukunft werden auf neuen Wegen mit den Bewohnern kommunizieren müssen, um den Bürgergeist neu anzufachen. Denn das bürgerschaftliche Engagement ist verkümmert. Die Städte werden, noch mehr als heute, Knotenpunkte sein und damit an Anziehungskraft gewinnen.“ 

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali hat die Veranstaltung souverän gelenkt. Und so wurde im Café Moskau auf der Bühne sowie in kleinen und großen Gesprächsrunden in den Pausen sehr angeregt diskutiert.

Viele Referenten nahmen auch die aktuelle Diskussion in Berlin, um die Zukunft des Tempelhofer Feldes auf. Tenor: Zur Weiterentwicklung der Metropole sei es von zentraler Bedeutung, den Randbereich des Tempelhofer Feldes bebauen zu können. Der Präsident des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V., Axel Gedaschko sagte beispielsweise: „Der Volksentscheid zur Zukunft des Tempelhofer Feldes entscheidet über die weitere Entwicklung Berlins.“ Der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten gab seine persönliche Meinung preis: „Für Menschen, die von außen auf die Stadt blicken, ist es gar nicht begreifbar, dass es sich Berlin leisten will, am Rande des Tempelhofer Feldes nicht zu bauen.“ Er gab zu, dass das Thema innerhalb seines Verbandes kontrovers diskutiert werde.

Die mit nationalen und internationalen Referenten besetzte Konferenz bildete einen zentralen Mosaikstein unseres 90. Geburtstages. Seit 2007 diskutiert degewo zu unterschiedlichen Themen, um Trends und Entwicklung aufzuspüren. Unter dem Titel „Verantwortung für die Stadt“ ist eine Veranstaltungsreihe entstanden, bei der bereits viele namhafte Referenten auf dem Podium standen. Darunter der Zukunftsforscher Horst Opaschowski und der Kult-Autor Wladimir Kaminer.