Berlin braucht Randbebauung am Tempelhofer Feld

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Das Volksbegehren „100% Tempelhofer Feld“ war erfolgreich und hat ausreichend Unterschriften gesammelt. Ich bin ganz ehrlich, ich bedauere das. Denn Berlin braucht dringend bezahlbare Wohnungen in den innerstädtischen Lagen. Gerade an den Rändern des ehemaligen Flughafens wäre eine behutsame Bebauung sinnvoll, ohne die Weite des Feldes zu zerstören. Die Interessengemeinschaft „Quartier Tempelhofer Damm“, in der die Wohnungsbaugesellschaften degewo und  STADT UND LAND sowie die Baugenossenschaft IDEAL gemeinsam agieren, respektiert den demokratischen Entscheidungsfindungsprozess selbstverständlich. Bis nun auch ein möglicher Volksentscheid abgeschlossen ist, werden keine Tatsachen schaffen.

Die Planung aber werden wir weiter vorantreiben, denn der Senat hat uns beauftragt bezahlbaren Wohnraum entlang des Tempelhofer Damms zu schaffen. Würden wir jetzt bis zu einem Volksentscheid die Hände in den Schoss legen, würden wir einen enormen Zeitverlust in Kauf nehmen. Berlin braucht das Angebot an zusätzlichen Wohnungen aber schnell. Wir machen daher weiter wie bisher: Wir planen weiter, bauen aber noch nicht. Das Bebauungsplanverfahren wurde bereits im Oktober 2013 begonnen und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Dass unsere Pläne im Sinne der Berlinerinnen und Berliner sind, hat uns eine repräsentative Umfrage gezeigt. Wir wollten bereits im Herbst des vergangenen Jahres wissen: Was wünschen sich eigentlich die Berliner am Rande des Tempelhofer Feldes? Das Berliner Meinungsforschungsinstitut INFO GmbH hat in unserem Auftrag 1.000 Berliner sowie 300 Anwohner aus der unmittelbaren Nachbarschaft des ehemaligen Flughafengeländes befragt. Das Ergebnis war eindeutig: 63 Prozent der Hauptstädter begrüßen eine Randbebauung. Selbst in den angrenzenden Bezirken Tempelhof und Kreuzberg lag die Zustimmung nur knapp unter der 50-Prozentmarke. Mehr als jeder dritte Berliner kann sich sogar vorstellen am Rande des ehemaligen Flugfeldes zu wohnen. Sozialer Wohnungsbau (61 Prozent) sowie eine gemischte Bebauung mit Wohn- und Gewerbeflächen (52 Prozent) findet die größte Zustimmung. Reines Gewerbe, Hochhäuser oder Luxuswohnungen werden kaum präferiert. Besonders wichtig ist den Befragten, dass der freie Zugang zum Feld weiterhin möglich ist und die Mitte des Tempelhofer Feldes unbebaut bleibt. Für 96 Prozent der Hauptstädter ist sehr wichtig bzw. eher wichtig das auch Wohnungen zu günstigen Kaltmieten entstehen.

Wir haben die Ergebnisse der Befragung bewusst nicht veröffentlicht, denn wir wollten während des Volksbegehrens keine Stimmung in die eine oder andere Richtung machen. Die Antworten aber waren und sind für uns ermunternd. Denn genau das, was sich die Berliner wünschen, wollen wir bauen. Unser Ziel ist es bezahlbare Wohnungen für breite Bevölkerungsschichten zu entwickeln. Und genau das, trauen uns erfreulicherweise die Berliner auch zu. Sie sagen: bezahlbare Wohnungen errichten am ehesten Baugenossenschaften (51 Prozent), also die Baugenossenschaft IDEAL sowie die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften (27 Prozent), also degewo und STADT UND LAND. Wir werden unsere Bauplanungen also vorantreiben. Wo und wann immer es möglich ist, werden wir auch weiterhin die Anwohner frühzeitig informieren und gegebenenfalls mit ins Boot holen. Werkstätten, Standortkonferenzen und Planungszellen haben stattgefunden. Wir wollen auch weiterhin mit Planern, Architekten, Bevölkerung und Vertreter unterschiedlicher Interessensgruppen ins Gespräch kommen bzw. im Gespräch bleiben. Denn wir bauen – wenn wir denn dürfen – nicht für uns, wir bauen für Berlin und die Berliner.