Was kann Berlin von Wien lernen?

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Diese Frage haben wir kürzlich auf einer Veranstaltung im Palais der Kulturbrauerei gestellt. Denn nicht nur in Berlin gibt es Engpässe auf dem Wohnungsmarkt. Wie gehen andere Metropolen mit der Problematik um? Wir haben deshalb über den Berliner Tellerrand hinausgeblickt und uns das Beispiel Wien genauer angesehen. Auf einem ehemaligen Flugfeld entsteht gerade ein neuer Stadtteil für 20.000 Menschen und ebenso viele Arbeitsplätze. Das Projekt „aspern Die Seestadt Wiens“, ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Was kann Berlin davon lernen? 200 Gäste im Palais der Kulturbrauerei, unter Ihnen der österreichische Botschafter Dr. Ralph Scheide, waren unserer Einladung gefolgt. Sie erhielten spannende Einblicke und viel Diskussionsstoff.

In Wien werden pro Jahr allein 6.000 geförderte Wohnungen gebaut. 60 Prozent der Wiener leben in einer geförderten Miet- oder Genossenschaftswohnung. Die Beispiele zeigen: Die Förderung von Wohnraum spielt in der österreichischen Hauptstadt eine herausragende Rolle. Jetzt ist in Wien ein Großprojekt gestartet wurde, das Wohnraum schaffen will für 20.000 Menschen und ebenso viele Arbeitsplätze. In Aspern, vor den Toren der Stadt gelegen, entstehen bis zum Jahr 2030 rund 8.500 Wohnungen. Prof. Rudolf Scheuvens, Vorsitzender des Aspern-Beirats und Dekan der Technischen Universität Wien, stellte uns die Wiener-Planungen vor. Die Dimensionen sind gewaltig: Auf 240 Hektar sollen neben den Wohnungen 15.000 Gewerberäume für Büros und Dienstleistungsunternehmen sowie 5.000 für Produktions- und Gewerbebetriebe entstehen.

Ist dieses Stadtentwicklungsprojekt auch ein Vorbild für Stadtplanung in Berlin? Diese Frage wollten wir mit unserer Veranstaltung aus der Reihe „Verantwortung für Stadt“ anstoßen. Prof. Scheuvens ist sicher: „Das Modell ist nicht eins zu eins übertragbar. Berlin muss eine eigene Lösung finden.“ Die Senatsbaudirektorin von Berlin, Regula Lüscher, verwies auf die vielen in der Stadt noch vorhandenen Flächen. „Diese zu entwickeln und zu planen, ist eine große Herausforderung für Berlin.“ Klaus Groth, Geschäftsführer der Groth-Gruppe forderte die Rahmenbedingungen für Neubauten zu verbessern. „Auch in guten Lagen müssen geförderte Wohnungen entstehen, um die soziale Durchmischung zu erhalten, die von allen Akteuren gewünscht wird.“ Regula Lüscher stimmte zu, dass eine Wohnungsbauförderung auf privaten Flächen in Berlin notwendig sei.

Auch das heiße Eisen, den Vergleich mit dem Tempelhofer Feld, packten die Podiumsteilnehmer an. Klaus Groth meinte: „Die hier vorhandenen Flächen können wir der Stadt auf lange Sicht nicht entziehen. Aber ob, wann und in welchem Umfang am Tempelhofer Feld gebaut werden kann, wird die Politik entscheiden.“ Senatsbaudirektorin Lüscher hielt an einer reinen Randbebauung fest und sprach von maximal 5.000 Wohnungen. degewo hat sich – zusammen mit der STADT UND LAND und der Wohnungsgenossenschaft IDEAL – darum beworben in Tempelhof bauen zu dürfen. Denn eine reine Parklandschaft, ganz ohne jede Bebauung, kann ich mir nicht vorstellen.

Ein Video der Veranstaltung sehen Sie hier: