Wie gelingt Integration? Einblick in eine mögliche Zukunft

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Mehr als 200 Gäste waren am 18. November 2013 unserer Einladung gefolgt und ins Palais der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg gekommen. Sie alle wollten Informationen aus erster Hand, zu einem Thema, das kontrovers diskutiert und immer mal von den hauptstädtischen Medien aufgegriffen wird: Integration nach dem Rotterdamer Modell. Denn die niederländische Hafenmetropole gilt als Vorbild für eine aktive Wohnungs- und Integrationspolitik sowie ein erfolgreiches Quartiersmanagement.

Wir wollten wissen: Was kann Berlin von Rotterdam tatsächlich lernen? Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass eine aktive Stadtentwicklung, die sich den einzelnen Quartieren und den Menschen zuwendet, ein wirksames Instrument zur Förderung der Integration in unserer Gesellschaft ist. Wir wissen, dass sich soziale Quartiersentwicklung und gesellschaftliche Integration gegenseitig bedingen. Fakt ist: Ohne funktionierende Schulen und Kitas, ohne Ausbildungsplätze, ohne ein intaktes Wohnumfeld fällt Einwanderern die Integration sehr viel schwerer. Und umgekehrt gilt: Wo Integration gelingt, entfaltet sie neue Kräfte und wirkt sie sich positiv auf alle gesellschaftlichen Bereiche aus.

Die Vize-Bürgermeisterin von Rotterdam, Korrie Louwes machte in ihrem Impulsvortrag schnell deutlich, dass ihre Stadt die Phase der Integration bereits hinter sich habe: „Wir betreiben keine Zielgruppenpolitik mehr. Rund 57 Prozent der Bewohner von Rotterdam haben heute einen Migrationshintergrund. Für uns ist daher nicht mehr wichtig, woher jemand kommt, sondern was er macht, wo er hin will und wie er sich dementsprechend einbringt.“ Auch Berlins Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, war gekommen. Sie blickte bereits in die Zukunft: „Die Entwicklung Berlins ist vorgezeichnet. Auch bei uns wird die Zahl der Migranten in den kommenden Jahren weiter steigen, die Stadt wird vielfältiger.“

Was also tun? Wie darauf reagieren, fragten sich die Zuschauer. In der von der TV-Moderatorin Anke Plättner geleiteten Diskussion machte Ben Pluijmers, Direktor Strategie und Portfoliomanagement beim niederländischen Wohnungsunternehmen Havensteder, deutlich, dass es Rotterdam auf dem Wohnungsmarkt vergleichsweise einfacher hat: „Von den rund 250.000 Wohnungen in Rotterdam, sind rund 160.000 Sozialbauwohnungen.“ Zum Vergleich: in Berlin sind nur rund 15 Prozent der Wohnungen in kommunaler Hand. Der Einfluss, den die Politik hier nehmen kann, ist deutlich geringer.

Mein Fazit des sehr unterhaltsamen und informativen Abends: Rotterdam ist Berlin ein Stück voraus, auch wenn mir die Diskutanten den Weg dorthin hier und da ein wenig zu zahm beschrieben haben. Wir sollten aber festhalten, dass auch bei uns schon in Kürze nicht mehr wichtig sein wird, woher jemand kommt, sondern welche Potenziale er hat und wie wir sie heben können, um sie für das Wohl der Stadt einzusetzen. Dem Miteinander kommt künftig noch mehr Bedeutung zu. Das bestätigt das Engagement, das degewo bereits zeigt. Mit den Bildungsverbünden in Wedding, Gropiusstadt, Mariengrün und Marzahn stärker wir schon heute beispielsweise die Schulen und damit auch die Schülerinnen und Schüler. Der „Rotterdamer-Weg“, hin zur integrierten Stadt, ist ein interessantes Vorbild für Berlin und ein spannender Blick in eine mögliche Zukunft unserer Stadt.