Alle Artikel aus der Kategorie "mietergeschichten"

 

Ein faires Geben und Nehmen

Mit ihrem „MP 20 Studio“ für Nagel- und Fußpflege, Massagen und Kosmetik hat sich Andrea Barby vor acht Jahren einen Traum erfüllt. Das Studio in der Marzahner Promenade ist seit 2005 ihre berufliche Heimat. Die 40-Jährige erlebt die degewo seither als Gewerbemieterin und beschreibt das Verhältnis als ein faires Geben und Nehmen. „Die degewo ist mir bei der Miete entgegen gekommen. Dafür bin ich in baulicher Hinsicht ein paar Kompromisse eingegangen.“ Andrea Barby ist selbst Dienstleisterin und nimmt daher Dienstleistungen nicht einfach als gegeben hin. Sie wägt ab, vergleicht mit dem eigenen Geschäft, den eigenen Leistungen. „Wenn ich mit meinen Kunden fair umgehe, dann erhöhe ich damit die Chance, dass sie wiederkommen. Solch einen Umgang wünsche ich mir dann auch, wenn ich selbst in der Kundenposition bin.“

Als Dozentin an einer Kosmetikakademie bildet Andrea Barby nebenberuflich andere Fachfrauen zur Ausbilderin aus. Hier informiert sie sich über Neuigkeiten aus der Branche, nimmt an Workshops und Lehrgängen teil, um immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. „Wer still steht und sich auf seinen Lorbeeren ausruht, kann gleich einpacken, denn so wird das auf Dauer nichts.“ Die Mutter einer Tochter bezeichnet die Selbstständigkeit auch als ein Risiko. Aber eines, das sie bei der Existenzgründung bewusst eingegangen ist. „Heute“, sagt sie auch mit einem gewissen Stolz in der Stimme, „kann ich von meinem Studio leben und lebe damit meinen Traum.“

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Eine Gedenkstele für Albert Einstein

Das in der Schöneberger Haberlandstraße 8 eine Gedenkstele an Albert Einstein erinnert, ist dem unermüdlichen Einsatz von Gregorio Ortega Coto zu verdanken. Zwei Jahre hat er sich dafür eingesetzt. Angefangen hat alles aber noch früher. Den Humanisten und Nobelpreisträger hatte er schon lange bewundert und viel über ihn gelesen, erzählt der gebürtige Spanier. Als er kurz nach der Jahrtausendwende eine Wohnung suchte und fand, stellte er schnell fest, dass das Schicksal ihn direkt dorthin geführt hatte, wo der Vater der Relativitätstheorie lange Jahre selbst gewohnt hatte. „Ich freue mich heute noch, dass ich den gleichen Ausblick aus dem 4. Stockwerk genießen kann, wie ihn Albert Einstein hatte“, sagt Ortega Coto über seine Wohnung in unmittelbarer Nähe zum Bayrischen Platz.

Zwischen 1917 und 1932 hatte Einstein in der Haberlandstraße 5, heue Hausnummer 8, gewohnt. Viele bekannte Leute gingen bei ihm ein und aus: Max Planck, Carl von Ossietzky, Max Liebermann oder Heinrich Mann. Auch Charlie Chaplin hat ihn hier besucht. In der gutbürgerlichen Wohnung in Schöneberg erreicht Einstein 1922 die Nachricht, dass ihm der Nobelpreis für 1921 für seine Entdeckung des Gesetzes des fotoelektrischen Effektes verliehen wird. Doch an all das erinnerte nur ein Gedenkstein, auf dem, so Ortega Coto kopfschüttelnd, auch nicht alle Daten korrekt waren. Für ihn war klar: Es muss etwas Neues her.

Doch bis zur tatsächlichen Umsetzung war es ein weiter, oft schwieriger Weg. „Die Unterstützung von vielen Seiten war groß. Und selbst wenn man mal nicht einer Meinung war, ist man fair miteinander umgegangen. Das war eine gute Erfahrung“, sagt der Mann, der in den 1970-er Jahren nach Deutschland kam. Doch die Finanzierung des Projekts erwies sich als höchste Hürde. Mit vielen privaten Spenden und durch die Einwerbung von Mitteln der Deutschen Klassenlotterie, erreichte der 66-Jährige sein Ziel.

Am 31. Mai 2013 wurde die Gedenkstele feierlich eingeweiht. Den Stolz, den der gebürtige Spanier dabei empfindet, sieht man ihm an: „Früher sind alle am Gedenkstein vorbeigelaufen. Heute bleiben sie an der Stele stehen. Kinder, Jugendliche, Erwachsene erfahren mehr über Albert Einstein. Ich empfinde das als Bereicherung für die Straße und für die Menschen“. Zur Einweihung waren sogar vier Musiker der Berliner Philharmoniker gekommen und sorgten für die musikalische Untermalung. „Die Solidarität, die ich hier im Kiez erfahren habe, ist etwas Besonderes“, erzählt Gregorio Ortega Coto. Nebenbei hat er ein zweites Projekt abgeschlossen: Einen 42-seitigen Leporello über die Haberlandstraße. Auf dem Titelbild ist natürlich Albert Einstein zu sehen, wer sonst?

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